Kipo: Zeitgeister - Ein Kritik am Verschwörungsfilm “Zeitgeist”
Datum: 27.07.09 23:20 Uhr
 
Zeitgeist“ ist ein Film, der sich mit verschiedenen Themen beschäftigt. Er ist, zumindest im Internet, einer der erfolgreichsten Filme. Im ersten Teil des Films geht es um die Entwicklung des Christentums und der Bibel. Der zweite Teil des Filmes setzt sich mit den Ereignissen rund um den 11. September 2001 auseinander. Im dritten Teil des Films wird eine Entwicklungsgeschichte des Kapitalismus präsentiert, die nicht Antikapitalistisch ist, dafür aber Antiamerikanisch und tendenziell Antisemitisch. Vielleicht erklärt das den Erfolg des Films, der mehrere hundert Millionen Male angesehen wurde.

Auch die ersten Minuten des Filmes haben es in sich: Da werden Bilder aus dem Irak, New York, Vietnam und Auschwitz gezeigt, ohne das ersichtlich wird, dass die Verbrechen in Schwarz-Weiß in einem ganz anderem Zusammenhang begangen wurden, als es der Film suggeriert.



Teil 1: Religionskritik?!

Wer das Übersieht, wird gerade den ersten Teil des Films überzeugend finden; es sei denn er oder sie sie ist Katholik. Die Filmemacher schildern nämlich altbekannte Tatsachen. Anhand einiger Zitate und vieler historischer Übereinstimmungen versuchen sie den Nachweis zu erbringen, dass das Christentum viele Vorsatzstückchen aus anderen Religionen übernommen hat.

All’ das ist Bekannt und macht die Taktik deutlich, die die Filmemacher verfolgen: Man holt die Menschen da ab, wo sie geistig stehen. Wer nicht vom „unsichtbaren Mann“ überzeugt ist, wird auch den zehn Geboten, der Hölle oder anderem religiösen Firlefanz nicht viel abgewinnen können.


Eine Kritik an den großen Kirchen ist, gerade unter Jugendlichen, weit verbreitet. Da muß es nicht verwundern, dass die Macher des Filmes „Zeitgeist“, ihren Film mit dieser Thematik beginnen und dort weiter machen, wo „Das Sakrileg“ endete: Es sind die religiösen Institutionen, die für alles schlechte der Welt verantwortlich gemacht werden. Sie sind „der Grund für die Schweinereien“ die so in der Welt geschehen. Statt von der „wahren göttlichen Existenz“ seien die Menschen von denen „verführt“ worden, die das Banksystem und sämtliche Regierungen installiert hätten.

Das klingt nach Verschwörungstheorie und das ist es wohl auch. Anstatt einer Religionskritik wird eine Kritik an bestimmten religiösen Institutionen und dem „Christentum“ entwickelt. Ihnen wird zu dem unterstellt, für „die Schweinereien“ die alleinige Verantwortung zu tragen. Nur wenn den Menschen die Augen geöffnet würden, würden sie diese „Wahrheit“ erkennen.


Dafür darf ein nationalsozialistisches Propagandamotto eine Wiederbelebung erleben: Aus „Wahrheit macht Frei“ machen die Filmemacher die Aufforderung: „Die Wahrheit wird euch befreien“.


Ein Mittel um ihre Thesen zu beweisen, stellen, die in verschwörungstheoretischen Kreisen äußerst beliebten, Zahlenspiele da: Jesus hatte 12 Jünger, der Tierkreis hat 12 Tiere. So wird der „Beweis“ erbracht: Es gab niemals Jünger, sondern nur einige Tierkreiszeichen, die sich um die Sonne scharrten. Jesus Christus war wiederum keine historische Figur, sondern die Sonne. Mit diesen und ähnlichen Methoden versuchen die Macher des Films ihre spezielle Realität zu belegen.

Ein anderes Beispiel: Anhand der Bibel versuchen die Filmemacher zu beweisen, dass die Figur Jesus bereits in der Figur des Josef angelegt sei. Die spärlichen Beweise sind: Eine Wundergeburt, die typischen Zahlenspiele und ein ähnlich-klingender Name. Während Jesus zwölf Jünger hatte, besaß Josef 12 Brüder. Während Jesus für 30 Goldtaler verraten wurde, durfte der Verräter von Josef lediglich 20 Goldtaler kassieren. Der Name des Verräters vollendet die Kette der „Beweise“: Judah verrät Josef und Judas verrät Jesus. So „akademisch korrekt“ arbeiten die „Zeitgeist“ Macher.





Ähnliches geschieht bei der Deutung des christlichen Kreuzes. Deren historischen Ursprung als Folter- und Mordinstrument wird negiert; statt dessen behaupten die „Zeitgeist“ MacherInnen, in der heidnischen Version des Kreuzes, den Tierkreis entdeckt zu haben. Der Beweis ist der Kreis der das Kreuz umschließt. Neben solchen unwissenschaftlichen Behauptungen, greifen die AutorInnen allerdings auch auf historische Übereinstimmungen zurück, die sehr überzeugend wirken können. Wer weiß schon, dass die biblische Geschichte der Arche Noah bereits 2500 Jahre früher, in einer ähnlichen Form, im Gilgamesch-Epos auftaucht?

Es ist die Mischung aus absolut-unwissenschaftlichen Verschwörungstheorien, wie die des Tierkreiszeichens, mit historischen Übereinstimmungen. Es sollte nicht Verwundern, dass die AutorInnen der Bibel allerhand Mythen und Vorsatzstückchen aus anderen Religionen übernahmen. Mythen und Vorsatzstückchen nutzen allerdings auch die AutorInnen des Films, um ihre krude Religionskritik, die in Wirklichkeit ein Pamphlet gegen die „christlich-jüdischen Religionen“ darstellt, zu erläutern.



Da fanden die AutorInnen nach dem Beweis, dass die zehn Gebote, in Wirklichkeit schon vorher existent waren. In den zehn Geboten finden sich Regeln, die es verbieten zu stehlen oder zu morden. Das es solche Regeln schon vorher gegeben hat, sollte nicht verwundern. Schließlich kann keine Gesellschaft überleben, in denen der Mord und der Diebstahl eine legitime Methodik darstellt. Das Mord und Diebstahl also bereits vor den zehn Geboten sanktioniert wurden, ist keine Überraschung.

Aus dieser logischen Übereinstimmung machen die AutorInnen des Films allerdings die Behauptung, dass Moses eine nie existierende Figur gewesen sei. Es ist die Form der Kritik, die diese besonders abstoßend macht. Schließlich ließe sich eine berechtigte Kritik an der Religion an sich entwickeln; doch darum geht es dem Filmemacher gar nicht.

Dies zeigt sich auch im nächsten Teil des Films


Teil 2: Inside Job?!

Im zweiten Teil des „Zeitgeist“-Films geht es um die Geschehnisse am 11. September 2001 in New York. Islamisten hatten mehrere Flugzeuge gekapert und waren mit diesen ins World-Trade-Center und in das Pentagon geflogen. Eine vierte Maschine stürzte ab, als einige Passagiere versuchten, die Kontrolle über das Flugzeug zurück zu erlangen.

Seit dem 11. September gibt es auch Theorien, die die Behauptung aufstellen, es hätte gar keine Attacken von Islamisten gegeben. Statt dessen hätte die amerikanischen Regierung ein Ereignis gebraucht, um einen Krieg zu führen. Die Terroristen seien in „Wahrheit“ Agenten des Geheimdienstes gewesen und von diesem finanziert worden.




Und das Video-Tape, in dem ein Herr namens Osama bin Laden die Planung des Anschlags zu gibt? Alles eine Fälschung, behaupten zumindest die Macher des „Zeitgeist“-Streifens. Schließlich habe der Osama auf dem Videoband eine dunklere Hautfarbe als zu früheren Zeiten.

Statt dessen werden die ZuschauerInnen mit so aussagekräftigen „Beweisen“ wie den Screenshots verschiedener Internetseiten konfrontiert. Aus diesen Screenshots soll hervorgehen, was allen Historikern bisher entgangen sein soll. In „Wirklichkeit“ seien die Terroristen zumindest noch teilweise am Leben und von den Geheimdiensten finanziert worden. Selbstverständlich verschweigen die MacherInnen des Films die Herkunft dieser Screenshots. Sonst käme ein noch nicht völlig gehirn-gewaschener Zuschauer eventuell auf die Idee zu überprüfen, woher diese Bildschirmfotos stammen könnten: Etwa von VerschwörungstheoretikerInnen. Man sieht dass die Quellen der „Wahrheit“im Dunkeln bleiben.


 Statt dessen konfrontiert der Filmemacher die ZuschauerInnen mit altbekannten Geschichten, die bereits Michael Moore verarbeitet hat. Beispielsweise traf sich der ehemalige US-Präsident George Bush am 11. September 2001 mit einem Vertreter der Bin Laden Familie. Wiederum ist ein „Beweis“ erbracht. Wenn Bush und Bin Laden sich treffen, muss das etwas mit den Anschlägen zu tun haben. Das sich Bush und Bin Laden auch vor dem 11. September trafen, um ihren Geschäften nach zu gehen, wird verschwiegen. Es ist das Prinzip des Auslassens von Fakten, um ein bestimmtes Bild zu erzeugen.

Man verschweigt das die Bin Laden Familie eine der reichsten Familien Saudi-Arabien ist, die logischerweise Geschäftspartner in den USA brauchen, um Profite zu erwirtschaften. Man verschweigt, dass der ehemalige Präsident George Bush als Vertreter der „Carlyle“ - Group einen der größten Waffenproduzenten der USA vertrat. Man verschweigt um ein Bild zu erzeugen. Dazu passt es, das Fakten, wie der Bruch der Familie Bin Laden mit dem schwarzen Schaf der Familie, verschwiegen werden. Es würde einfach nicht in das Weltbild der Filmemacher passen, dass im Kapitalismus zwei Familien Geschäfte machen können, auch wenn ein Familienmitglied ein gesuchter Mörder und Verbrecher ist.

Den Angriff auf das Pentagon stellt die Filmemacher vor Fragen, die ungewollt deren unwissenschaftliche Herangehensweise verrät. Sie haben den Absturz eines Flugzugs vor Augen, wie sie ihn aus einem Action-Film kennen. In einem Action-Film müsste die Teile des Flugzeugs durch die Gegend fliegen und in einer möglichst spektakulären Einlage liegen bleiben. Das war am 11. September eben nicht der Fall, weil das Kerosin und der Einschlag dafür sorgten, dass das Flugzeug zerstört wurde. Die Realität ist eben kein Action Film, auch wenn das die Filmemacher zu stören scheint.

Den Angriff auf das World-Trade-Center begegnen die Filmemacher mit der gleichen Unwissenschaftlichkeit, der sich wie ein Roter Faden durch den „Zeitgeist“ spinnt. Sie präsentieren die üblichen Bilder. Da sind beispielsweise der Austritt von Sauerstoff während des Einsturzes. Durch den Einsturz wurde die verbliebene Luft nach außen gedrückt und trat durch Fenster aus. Das sieht vor allem staubig aus. Doch Verschwörungstheoretiker jedweder Couleur behaupten etwas anders. Für sie sind die Austritte ein Beweis für planmäßige Explosionen, die das Gebäude zum Einsturz gebracht hätten.


Dies wird umso deutlicher, als die Filmemacher, das amerikanische System „Norad“ beleuchten. „Norad“ ist ein System, dass bei etwaigen Angriffen dafür sorgen soll, dass schnell genug Abfangjäger in der Luft sind, um die etwaigen Angreifer, die sich auch eines Flugzeugs bemächtigt haben können, abzuwehren.

Richtiger weise erwähnen die Filmemacher, dass es bereits mehrere Übungen gegeben hätte, der ein Szenario zugrunde lag, in dem ein Flugzeug entführt wurde, um es als Waffe nutzbar zu machen. Allerdings verschweigen die Filmemacher, dass diese Übungen ein Szenario zugrunde lag, in dem das Flugzeug außerhalb der amerikanischen Staaten entführt wurde. Es ist also ein vollkommen anderes Szenario als das, was am 11. September schreckliche Realität wurde.

Die vier gekaperten Flugzeuge waren eben keine Auslandsflüge, sondern Flüge innerhalb der USA. All das verschweigen die Filmemacher. Wiederum geht es nur darum ein bestimmtes Bild zu erzeugen; logischerweise bleiben da auch mal die Fakten auf der Strecke.

 Nahezu „alle Terroristen“ seien „freigelassen“ worden. behauptet der Film ein wenig später; von Guantanamo und Abu Gharib scheinen die Filmemacher noch nicht viel gehört zu haben. In jedem Fall spielen diese Knäste und ihre Gefangenen in dem Film keine Rolle. Wie sollten sie auch, wenn nahezu alle Terroristen von US-Administration in die Freiheit entlassen werden.


 Der mörderische Bomben-Anschlag auf mehrere Züge in Spanien, zu dem sich eine Zelle von Al-Quaida bekannte und dem mehr als 300 Menschen zum Opfern spielen, entlarvt die zynische und menschenverachtender Vorgehensweise der Filmemacher vollends. Die englische Schlagzeile einer Zeitung, die vom „Terror-Angriff“ berichtet, ändert sich vor den staunenden Augen des Zuschauers in das Wort „Bullshit” (Siehe Bild Links).

Das ist kein Wunder. Da berichtet beispielsweise ein Ted Gunderson von geheimen Operationen des Geheimdienstes. Dieser Institution, zu deren Praxis auch das Mittel der Counter-Guerilla gehört, war nach Ted Gunderson, für viele Anschläge, unter anderem 1992 in Oklahoma verantwortlich. Beweise bleibt der ehemalige Mitarbeiter der amerikanischen Polizei schuldig. Das der Anschlag von Oklahoma City von einem fanatischen Nationalisten begangen wurde, der die Tat gestand, ficht den Ex-Cop nicht an. An dieser Stelle des Films werden sogar Fakten zurecht gelogen, damit die Intention der Filmemacher aufgeht.

An einer anderen Stelle spielt der Film mit rassistischen Klischees: „Wir sollen tatsächlich glauben, dass ein arabischer Kerl, der irgendwo in den Bergen lebt“ zu solchen Attacken in der Lage gewesen wäre, behauptet ein namenloser Kommentator; „Wir“, dass ist in diesem Fall die weiße zivilisierte Welt, zu der ein „arabischer Kerl“ sicherlich nicht gehört.



Exkurs: Anderer Irrsinn.

 „Wir“ wissen auch, dass es „schlecht läuft“: Schließlich ziehen „Punks durch die Straßen“ und „Ladenbesitzer haben eine Waffe unter dem Tisch“ zitiert die Filmemacher den Film „Network“. Notwendig sei es angesichts solcher Verrohungen eine „richtige Wut“ zu entwickeln. Diese kaum versteckte Huldigung des Mobs, der gegen „Punks“ und anderen Abschaum vorgehen soll, um die Gesellschaft zu retten, spielt im späteren Verlauf des Filmes eine wichtige Rolle.


Um die Existenz einer weltweiten Verschwörung zu belegen, zitieren die Filmemacher den ermordeten US-Präsidenten John F. Kennedy. Dieser kritisierte ein „System, dass riesige menschliche und materielle Ressourcen“ verwenden würde, um „militärische“ und „wissenschaftliche“ Operationen zu gewährleisten. Nun meinte der gute John Fitzgerrald mit seiner Kritik am „System“ nicht die eigene Gesellschaft.

Ihm ging es um einen inzwischen nicht mehr existierenden Staat: Die Sowjetunion. Diesen Staat beschuldigte nicht nur Kennedy, seine „Dissidenten zum Schweigen“ zu bringen. „Dissidenten“ war eine spezielle Wortschöpfung, wie sie nur auf Oppositionelle innerhalb des real-existierenden Sozialismus, angewendet wurde und wird. Kennedy ging es in seiner Rede also um den real-existierenden Gegner, dem er alles schlechte unterstellte. Aber auch das Verschweigen die Filmemacher, wie sie so vieles verschweigen, was nicht in ihre Theorien passt. Statt dem angekündigtem Blick hinter den Vorhang dokumentieren die Filmemacher insbesondere im letzten Teil ihres Filmes, ihren Hang zu besonders kruder Verschwörungstheorie, deren Inhalt vor allen Dingen Antisemiten faszinieren wird.



Teil 3: Geschichtsrevisionismus wird gemacht!

Im dritten Teil des „Zeitgeist“ Films entwickeln die Filmemacher eine spezielle Entwicklungsgeschichte kapitalistischer Gesellschaften. Diese wird nicht durch die Entwicklung von Produktivkräften und Klassenkämpfen bestimmt, sondern durch „geheime Gesellschaften“, die mit speziellen Instrumenten eine besondere Form der Unterdrückung geschaffen hätten. „Es ist etwas hinter dem Thron, dass größer ist als der König selbst“ , behauptete das Mitglied des Oberhauses Sir William Pitt 1770.

Er wollte auf diese Weise die These der Herrschenden belegen, die besagte, dass die Monarchie eine von Gott gegebene Ordnung sei, die nicht in Frage gestellt werden dürfte. Den Zeitgeist-Machern dient das Zitat allerdings als Beleg, für eine Kaste von Verschwörern, die schon damals die Welt beherrschten.

Als Mittel zur Weltbeherrschung haben die „Zeitgeist“-Macher die angebliche verhängnisvolle Wirkung des „Zinses“ entdeckt. Sie schildern wie die amerikanischen Kolonien gezwungen waren, Kredite beim englischen Kolonialherren zu nehmen. Die „Zinsen“ hätten zu einer Verschuldung geführt, die den Unabhängigkeitskrieg ausgelöst hätte.




Diese Erklärung negiert den Zusammenhang, aus der sich die amerikanische Nation bildete. Der immer größer werdende Markt zwischen den Städten der Einwanderer, erforderte einen geeinigten Wirtschaftsraum, mit eigener Währung und eigenen Gesetzten. Keiner der Kolonialmächte wollte dies gewähren. Sie sahen in den erschlossenen Gebieten vor allem einen Ausbeutungsraum zu Gunsten der jeweiligen Monarchie. Der Unabhängigkeitskrieg war vor allem ein Krieg gegen die Monarchien; die entstehenden USA waren vom Geist der französischen Revolution beeinflusst und gaben sich die fortschrittlichste Verfassung der Welt.

All’ diese Tatsachen spielen im „Zeitgeist“ Film keine Rolle. Vielleicht zeigt dieser Umstand auf, dass es den Filmemachern nicht um historische Zusammenhänge, sondern um die Propagierung einer Ideologie geht, die sich gegen den „Zins“ und die wenigen richtet, die Gewinn daraus ziehen.

Als Belege dienen den Zeitgeist-Machern, einige Zitate der so genannten Gründungsväter der USA. Die waren Demokraten, die die Macht der Banken und Konzerne fürchteten, weil sie eine Gefahr für die bürgerliche Demokratie darstellen kann. Ihre Kritik war, im Unterschied zu den Thesen im Film „Zeitgeist“, eben nicht gegen den „Zins“ an sich gerichtet, sondern gegen die Macht der Banken, in denen die liberalen Demokraten eine Gefahr für die idealisierte Demokratie sahen. Negiert werden die ökonomischen Grundlagen dieses Systems, deren ausbeuterische Strukturen bestehen bleiben, wenn einige, besonders „schlechte“ Profiteure der Ausbeutung, diese Möglichkeit genommen werden würde.


 Anfang des 20. Jahrhunderts sieht der „Zeitgeist“ Film dann konsequenter weise die „Macht“ in einigen Familien zentralisiert, die die „Banksysteme rücksichtslos ausbeuten“. Es sind die Rockefellers und Rothschilds die die Kritik der Filmemacher erregen. Diese Familien sind, so behaupten es die „Zeitgeist“ Macher tatsächlich, für die so genannte Weltwirtschaftskrise verantwortlich gewesen. Die Rockefellers waren tatsächlich eine reiche Familie, die von der Entwicklung des Kapitalismus ebenso partizipierte wie die Rothschilds. Beide Familien wurden zu ihrer Zeit immer wieder bemüht, um einen angeblichen „jüdischen“ Einfluss auf die Weltwirtschaft zu konstruieren.Ein Beispiel dafür sind die Propaganda-Filme der Nationalsozialisten. Einer der bekanntesten, ist der Film „Der ewige Jude“, der ebenfalls behauptet, die Rothschilds seien, als Juden, für die Übel des Kapitalismus verantwortlich.

Die Macher des Films „Zeitgeist“ rekurieren auf solche Theorien, auch wenn sie ihre Quellen verschweigen. Man sieht, dass der Film an dieser Stelle den schmalen Grat von verschwörungstheoretischen Irrsinn zu antisemitischen Klischees überschreitet. Das Erklärt auch warum sie die klugen taktischen Schachzüge einiger Bankiers, die eben ihren Kollegen eine Nasenlänge voraus waren und ihre Aktion rechtzeitig genug ab stießen, tatsächlich als „Raubzug“ verunglimpft werden. Ohne es zu sagen, unterscheiden die Zeitgeist-Macher an dieser Stelle ihres Films zwischen „raffendem“ und „schaffendem Kapital“.


Ähnlich sah das ein Deutscher, der fünf Jahre nach der Weltwirtschaftskrise in Deutschland an die Macht kam. Adolf Hitlers NSDAP forderte in ihrem 25. Punkte Programm als einen Punkt die „Brechung der Zinsknechtschaft. “. Auch er sah sich, wie die „Zeitgeist“ Macher vom „raffendem Kapital“ bedroht.

Leider ist der Film zu diesem Zeitpunkt bereits 1 Stunde und 1o Minuten alt. Eingelullt mit Pseudo-Religionskritik und Verschwörungstheorien, wird wohl nur noch wenigen Auffallen, wess Geistes Kinder hier am Werke sind. Mit Antikapitalismus hat das wenig zu tun. Dafür aber mit einem strukturellen Antisemitismus; der in „internationalen Bankiers“ alles schlechte der Welt zusammenfasst, ohne die ökonomischen Strukturen der Gesellschaft einer Kritik zu unterziehen.

Statt dessen kritisieren die MacherInnen ein ungerechtes Steuersystem, dass die Menschen dazu zwingen würde, einen Teil ihres Lohns an den Staat zu bezahlen. Es wird hoffentlich deutlich, wie sehr die Verschwörungstheoretiker innerhalb kapitalistischer Logik argumentieren. Anstatt das System als Ganzes zu kritisieren, entwerfen diese ein Bild, bei dem es ausreichen würde, Steuern und Bankiers abzuschaffen, um die Utopie einer Gesellschaft, ohne Ausbeutung und Unterdrückung real werden zu lassen. In der „Einkommensteuer“ sehen die MacherInnen des Films dann auch „die Versklavung des gesamten Landes“.


Gerade dieser Teil des Films zeigt, wie weit die MacherInnen des Films eine Art Wahn traurige Realität werden lassen. Es ist der Wahn einer angeblichen Verschwörung gegen die angeblich-verdummte Bevölkerung. Lediglich die „Zeitgeist“ Macher scheinen den Durchblick zu haben und klären uns in ihrem Machwerk auf.

 Der Grad zwischen Verschwörungstheorie und geschichtsrevisionistischen Lügen ist sehr schmal. Die „Zeitgeist“-MacherInnen übertreten ihn mehrmals und zeigen damit auf, dass es mit ihren Theorien nicht weit her sein kann. Schließlich verdrehen die MacherInnen geschichtliche Fakten, um ihr Konstrukt einer „Weltverschwörung“ zu belegen.

Beispiele gefällig? Da werden die USA für den ersten (!) und zweiten (!) Weltkrieg verantwortlich gemacht, obwohl es historisch belegt ist, dass beide (!) Kriege durch das „Deutsche Reich“ begonnen wurden. In den ersten Weltkrieg griffen die USA erst drei Jahre nach seinem Beginn ein. Im zweiten Weltkrieg konnte das „Deutsche Reich“ seinen Vernichtungskrieg in Polen und der Sowjetunion führen; die USA griffen erst zwei Jahre später ein. Doch den Menschen mit einem antiamerikanischen Weltbild wird das wahrscheinlich gar nicht aufgefallen sein.




Denn es wird noch schlimmer. Die bereits 1915 versenkte Luisitania wird bemüht, um eine weitere Verschwörungstheorie zu propagieren. Deren Versenkung hätte angeblich den Kriegseintritt der USA ausgelöst: „Kurze Zeit später traten die USA in den Krieg ein“.

Das die USA erst zwei Jahre später, nämlich im April 1917, in den Krieg eintraten, wird verschwiegen, weil die Theorie ansonsten zu unglaubwürdig wirken würde und selbst dem größten Geschichtsbanausen auffallen könnte, dass ein Ereignis nicht zwingend mit einem anderen zusammenhängen muss. Um ihre krude These zu belegen, bemühen die MacherInnen eine Anzeige, die die „deutsche Botschaft“ 1915 in mehreren amerikanischen Tageszeitungen, schalten ließ. In dieser Anzeige wurde davor gewarnt, dass die Deutschen Schiffe angreifen würden, die England erreichen wollten. Von der Lusitania ist allerdings kein Wort zu finden. Trotz dem behauptet der Zeitgeist-Film: „Die deutsche Botschaft hatte tatsächlich Anzeigen (…) geschaltet, um den Leuten zu sagen, dass wenn sie an Bord der Luisitania gehen würden, sie selbst das Risiko dafür tragen würden“. Kein Wort davon ist wahr.




Da verwundert es dann auch nicht mehr, dass für die MacherInnen des Films, der zweite Weltkrieg am 7. Dezember 1941 beginnt. An diesem Tag griff die japanische Armee Pearl Harbour an. Die zwei Jahre in denen die Achsenmächte, das heißt Deutschland, Italien und Japan, ihre Kriege führten werden verschwiegen. Dabei hatte Deutschland den Krieg am 1. September 1939 begonnen. Es sind also ganze zwei Jahre, die einfach negiert werden, um das gewünschte Bild entstehen zu lassen.

Dafür behaupten die „Zeitgeist“ Macher, dass nicht die faschistischen Kräfte der Achsenkoalition für den Angriff auf die USA verantwortlich gewesen seien. Ganz im Gegenteil hätte der amerikanische Präsident den Krieg gewollt und den Angriff auf den amerikanischen Stützpunkt in Pearl Harbour deswegen in Kauf genommen. Belege bleiben die „Zeitgeist“ Macher, wie so oft, schuldig.


  Zum Kriegseintritt kann man dem amerikanischen Präsidenten nur Gratulieren. Schließlich handelte es sich eben nicht um einen Krieg zwischen kapitalistischen Mächten, sondern um die Entscheidung zwischen faschistischer Barbarei oder einer bürgerlichen Demokratie.

Diese Unterschiede werden von den „Zeitgeist“ Machern einfach negiert. In ihrem Wahn gehen sie sogar so weit, die Nationalsozialisten zu einem Export-Produkt der internationalen Banken zu verklären. Dabei waren die Nazis vor allem Anti-International. Gesponsert von deutschen Unternehmen, unterstützt von einem Großteil der Deutschen, toleriert von vielen deutschen Demokraten. Es waren die Deutschen, die ihre eigenen MitbürgerInnen vernichteten, nur weil diese nicht in ihre menschenfeindliche Ideologie passten. Es waren die Deutschen, die den Krieg begannen und ihn so führten, wie nur sie in der Lage sind: Als Vernichtungskrieg gegen jedwede Form des Humanismus, gegen alles „Internationale“ und „Kosmopolitische“.

Diese Fakten werden an dieser Stelle so deutlich benannt, weil sie die „Zeitgeist“ Macher verschweigen. Sie bemühen angebliche oder tatsächliche geschäftliche Beziehungen zwischen einigen Konzernen, um ihre Theorie zu belegen, nach dem eigentlich die USA verantwortlich zu machen sind. Vielleicht ist das ein Grund, warum dieser Film auch in Deutschland so erfolgreich ist.


Man sieht also: Geschichtsrevisionismus wird - ganz konkret im „Zeitgeist“ Film - gemacht. Die Verdrehung der Geschichte ist die Konstante, die den ganzen Film wie einen roten Faden durchzieht. Diese Form des Revisionismus ist auch notwendig, um in den USA alles schlechte und böse zu imaginieren.

 


Dies zeigt sich insbesondere im Fazit des Films, der die – mittlerweile abgewählte (!) - Bush Administration in die Tradition der Nationalsozialisten rückt. Videobilder Adolf Hitlers und des brennenden Reichstages vermischen sich mit denen des World Trade Centers und denen George W. Bush.

Doch selbst diese Form der Verharmlosung des Nationalsozialismus, die mit der Dämonisierung der US-Administration einhergeht, scheint nicht auf Widerspruch zu stoßen. Die MacherInnen des „Zeitgeist“ Films scheint die Verharmlosung des Nationalsozialismus und seiner Vernichtungspolitik nicht aufgefallen sein. Wie sonst könnte man die Ermächtigungsgesetze mit dem „Patriot Act“ gleichsetzen? Wie sonst könnte man den Vernichtungskrieg der Nationalsozialisten als „Präventivkriege“ verkaufen? Wie sonst könnte man Bilder Adolf Hitler zeigen, denen die von George W. Bush folgen, um den Eindruck zu erwecken, dass sich der eine in der historischen Tradition des anderen bewegen würde.


Diese Unverschämtheiten sollten eigentlich ausreichen, um diesen „Film“ dahin zu verbannen, wo er hingehört: Auf den Müllhaufen der Geschichte.


Anstatt eines Fazits: Aufwachen?!

Es ist „an der Zeit aufzuwachen“, behauptet der „Zeitgeist“ Film nach dieser Orgie an historischen Fälschungen, in denen ein unsympathischer US-Präsident mit dem Massenmörder des letzten Jahrhunderts verglichen wird. Es ist wirklich Zeit, dass einige Leute aufwachen; anstatt ihre Vorurteile gegen die USA zu bestätigen, sollten sie vielleicht ein gutes Buch über den Kapitalismus oder den Nationalsozialismus lesen. Anstatt schlechte Filme zu schauen, wäre es vielleicht besser, bessere Filme zu machen.

 
Kommentare
Seite: « 1 »
#6 am 21.06.2011 um 02:44 Uhr
J I N
User
Der Film ist scheisse. (Die Rockefellers waren eine jüdisch-deutsche Einwandererfamilie.) Da sehen wir, an wem die Kritik geht. "Die juden kontrolieren alles..." WTF!!!! irre.gif 
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#5 am 12.04.2010 um 10:42 Uhr
timonator
User
"Zeitgeist" ist mit Sicherheit ein äußerst fragwürdig Machwerk
und damit nicht empfehlenswert !
Die Aussage "9/11 was an inside job" ist aber leider höchst (!) wahrscheinlich !
Die offizielle Version ist schon längst als plumpe Lüge entlarvt und
kriminalistisch widerlegt. :
http://www.youtube.com/view_play_list?p=2211F95BFA575227 deutsch
http://www.youtube.com/view_play_list?p=621A4B03C1169C78 englisch

"Aufwachen" wäre also wirklich mal angesagt !
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#4 am 01.12.2009 um 20:13 Uhr
Ö K N Y
Clanmanagement
Hier eine überarbeitete Version: http://reflexion.blogsport.de/2009/11/30/zeitgeist-eine-kritik/
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#3 am 16.09.2009 um 17:24 Uhr
TheAntifascist
User

Direktlink zum Film:

http://content12.wuala.com/contents/Infokrieg%20(Freie%20Dokumentationen)/Deutsch%20-%20German/Zeitgeist%20(Deutsch)%20(Infokrieg.tv).avi

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#2 am 08.09.2009 um 20:16 Uhr
Johnny Sniper
Member

voll und ganz meine meinung, er regt sehr zum nachdenken an und dennoch wird geredet als wären all diese theorien bewiesen, was nicht wahr ist.

 

ein freund von mir z.b. dachte schließlich das alles wahr und bewiesen ist, wie z.b. mit der regierung und 9.11. usw., das is dooof

 

ansonsten find ich die zeitgeist reihe eigentlich ganz interessant und es lohnt sich diese anzuschaun.

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#1 am 30.07.2009 um 09:44 Uhr
Spackenalarm
unregistriert

Also ich kann deinem Artikel nicht viel abgewinnen.Cih denke dieseer Film hat viele Menschen zum nachdenken angeregt und nicht alles ist scheiße wie du es in deinem Artikel schreibst.

Ich stehe sehr kritisch gegenüber den Verschwörungstheorien, aber es gibt einige Punkte die überzeugen.

Und das was Du als verharmlosung Adolf Hitlersinterpretierst ist für mich eher als Warnung zu verstehen,dass sich unsere Gesellschaft wieder in solch eine Richtung bewegt und grade durch Bush mehr und mehr wieder in eine Welt der Überwachung wie damals gedrückt wurd.

Sie sagen auch nicht,dass der 2.Weltkrieg dann begonnen hat,sondern dass dort für die USA der Kriegseintritt begann!

Schon mal überlegt,dass die Macher es aus Sicht von&für Amerika produziert haben.

Für mich bist Du genauso Unobjektiv wie Menschen die sich in diese Verschwöhrungstherien hineinsteigern.

Auch z.B. deine Kritik an dem ersten Teil.Da erwähnst Du nicht mal,dass viele dieser Aussagen sich auf Astronomische Fakten bezieht.blendest Du wohl auch einfach aus....

Naja egal jeder sollte den Film selber sehen und sich sein Urteil bilden,aber für mich bist du auch ganz schön verblendet.

So wie du schreibst,hört es sich an als wpürdest du voll und ganzen hinter dem ganzen scheiß und Kriegen der letzten Jahre stehen, die von der USA propagiert und ausgeführt wurden.

Best Greetz an alle die gerne und viel Abspacken

 

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